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Hardthöhenkurier 3/2017 Leseprobe

Multinationaler Beitrag der Marine zur maritimen Sicherheit Marine Fregatte F222 BADEN-WÜRTTENMBERG. © Bundeswehr / Carsten Vennemann der EU-Mitgliedstaaten gibt, können wir die Ausgestaltung angehen und mit unseren EU-Partnermarinen konkrete Projekte abstimmen. HHK: Welche Aufgaben sollte/kann das künftige MHQ/MOC in Rostock im Zusammenhang mit den Europäischen Verteidigungsanstrengungen und inner- halb der NATO übernehmen? Krause: Zunächst halte ich es für einen wichtigen und richtigen Schritt, dass wir das Maritime Operations Center (MOC) und den sogenannten Fleet Entry Point, also die technische Komponente des MOC, nach Rostock holen. Das ermöglicht die Führung der Marine und die Führung der Deutschen Flotte im Grundbetrieb quasi aus einer Hand und von einem Ort. Es freut mich, dass die umfangreichen Baumaßnahmen hier im Marinekommando in Rostock bereits begonnen haben und in vollem Gange sind. Wichtig ist außerdem, dass wir parallel dazu im MOC einen Einsatzstab DEUMARFOR aufbauen werden, der uns in 99 Bewerber in Mangelberufen deutlich erweitert, auch Weiterverpflichtungen zur längeren Bildung von qualifiziertem Personal wird verstärkt durch Prämien honoriert. Parallel gibt es mehrere Unter- suchungen und Projekte, die das ge- samte Spektrum der Möglichkeiten zum Einstieg in die Streitkräfte auf allen Ebenen abdecken. So wird untersucht, inwieweit sich heutige zivile Qualifika- tionen noch besser in der Marine genutzt werden können. Wir machen verstärkt von den gesetzlichen Möglichkeiten Ge- brauch, Hochschulabsolventen, ggfs. auch schon mit langer Berufs- und Lebenserfahrung, für den Seiteneinstieg in die Laufbahn der Offiziere zu gewinnen, damit diese ganz gezielt und mit möglichst kurzer Ausbildung in Verwendungen in der Marine zur Verfügung stehen. Auf der anderen Seite werden wir in diesem Jahr ein Projekt wiederholen, bei dem junge Menschen den Hauptschulabschluss an einer Bundeswehrfachschule nachholen. Wohlgemerkt, für den Einstieg in die Bundeswehr in die unterste Laufbahn ist der Hauptschulabschluss keine Voraussetzung aber wir verfolgen mittelfristig das Ziel, diesen Menschen die Qualifikation zum Gesellenberuf zu ermöglichen und auch in der Marine zu realisieren. Damit tragen wir ganz konkret zu einem nachhaltigen Personalaufwuchs gerade in den Ebenen bei, in denen die Marine auf dem zivilen Arbeitsmarkt konkurriert. Darüber hinaus wird es aber notwendig sein, die Marine, noch mehr in das Bewusstsein der Bevölkerung in die Fläche zu bringen. Ganz klar, für viele Bundes- bürger ist das Meer und somit die Marine weit weg und weniger greifbar, aber gerade der weltweite Einsatz zur Unterstützung der internationalen Verpflichtungen Deutschlands ist ein Dienst für alle Bundesbürger. Dazu wird es notwendig sein, Werbemaßnahmen gezielt mit Blick auf die Marine zu verstärken und uns auch, wo es geht, in der Fläche zu repräsentieren, auch wenn wir nicht immer ein Schiff mitbringen können. HHK: Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages erwartet in diesem Jahr zum Thema Europäische Verteidigungsanstrengungen einen Beschluss des Europäischen Rates zur „Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit“ (Perma- nent Structured Cooperation, PESCO). Welche Handlungsfelder gibt es in diesem Zusammenhang für die Deutsche Marine? Krause: Die Deutsche Marine beteiligt sich umfassend an den bereits bestehenden multinationalen Kooperationsinitiativen der NATO und der EU. Diese Initiativen verfolgen die Ziele, die Fähig- keitsentwicklungen besser aufeinander abzustimmen und kohärente Kräftedispositive bereit zu stellen. Ganz im Sinne des von Deutschland initiierten Framework Nations Concept der NATO übernimmt die Marine bei der multinationalen Entwicklung von Fähig- keiten in den Bereichen der Abwehr balli- stischer Flugkörper (BMD), der Ubootabwehr (ASW), der Zusammenarbeit bei Seefernaufklärern und in der Auf- stellung des Baltic Maritime Component Commands eine Führungsrolle. Unser Engagement in diesen Initiativen dient auch der Stärkung des europäischen Pfeilers in der Allianz. Auch die aktuell in der Europäischen Union behandelten Vorschläge zur Aus- gestaltung einer Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit (PES CO) dienen der kohärenten Bereitstellung von EU-relevanten Fähigkeiten und letztlich dem Erreichen des EU „level of ambition“. Den Diskussionsprozess über die Ausgestaltung einer PESCO gilt es jetzt zunächst einmal abzuwarten. Wenn es dann einen entsprechenden Beschluss HHK 3/2017


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