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Hardthöhenkurier 3/2017 Leseprobe

Marine Multinationaler Beitrag der Marine zur maritimen Sicherheit Die Deutsche Marine muss ihre Aufgaben gegen jede Form der Bedrohung durchsetzen können Interview mit Vizeadmiral Andreas Krause, Inspekteur der Marine Die maritime Sicherheit ist für die Bundesrepublik Deutschland lebenswichtig. Kon- flikte, Piraterie, internationale Kriminalität und Terrorismus sowie Naturkatastrophen sind Bedrohungen, die in den meisten Fällen fernab Deutschlands stattfinden. Die Auswirkungen allerdings können unsere Sicherheitsinteressen vielfältig beeinflussen, beispielsweise durch Störungen auf die freien Seeverbindungen und den freien Warenaustausch. Aufgabe der Deutschen Marine ist es, in multinationaler und zivil-militärischer Kooperation einen ständigen Beitrag zur maritimen Sicherheit zu leisten. Dazu besitzt sie ein vielfältiges, leistungsstarkes Fähigkeitsspektrum. Einsätze wie ATLANTA oder UNIFIL sowie die Teilnahme an den Ständigen Einsatzverbänden der NATO, verbunden mit zahlreichen einsatznahen Übungen mit Partnernationen in See, fordern die Marine in einem sehr hohen Maße. Und hier liegt das Problem. Auf der einen Seite muss die Marine diese Forderungen erfüllen, auf der anderen Seite mangelt es an Ausrüstung, Material und vor allem auch Personal. Grund genug für HHK-Chefredakteur Jürgen K.G. Rosenthal, mit dem Inspekteur Marine, Vizeadmiral Andreas Krause, ein Gespräch zu führe. HHK: Anknüpfend an die politische Dis- kussion zum „Aufwuchs der Bundeswehr“: 98 die wiederholten Hinweise auf das derzeitige und künftige Aufgabenpaket der Marine und die daraus resultierende Belastung für Personal und Material wurden offensichtlich gehört. Wie wäre – wünschenswert – der Zulauf neuer Einheiten zeitlich zu realisieren, was ist dabei der bestimmende und erfolgsentscheidende Faktor? Krause: Es geht nicht um Wünsche, sondern um Notwendigkeiten. Erstens ist zum Beispiel die Beschaffung der zusätzlichen fünf Korvetten K 130 als zweites Los dringend notwendig. Schauen Sie nur ins Weißbuch. Dort werden der Marine die Landes- und Bündnisverteidigung, die internationale Krisenbewältigung und die Gewähr- leistung der maritimen Sicherheit im multinationalen Verbund als Aufgaben übertragen. Das ist ein Aufgabenzuwachs, dem ein Kräfte- und Mittelzuwachs folgen muss. Das hat die Politik mit ihren Trendwenden auch so entschieden. Erstmals seit 25 Jahren wächst die Deutsche Marine wieder! Zweitens ist eine Nachbeschaffung als zweites Los notwendig. Denn nur so gelingt die reibungslose Integration dieser Korvetten in die Flotte nach deren Zulauf – personell, logistisch und mit Blick auf die Ausbildung. Aktuell fahren wir die Korvetten mit Wechselbesatzungen. Dafür ist es essentiell, das Personal ohne weiteres austauschen zu können. Dies muss auch nach Zulauf des 2. Loses möglich sein. Alles andere wäre mit Blick auf die demografische Entwicklung kontraproduktiv. Auch die technisch- logistische Unterstützung wird nicht einfacher, wenn wir eine weitere Kleinserie an Korvetten erhielten, für die wir gesondert ausbilden und neue logistische Ketten aufbauen müssten. Drittens besteht die dringende Notwendigkeit die Überschneidung bzw. die Gleichzeitigkeit der Beschaffungsvor- haben K130, 2. Los und MKS 180 zu vermeiden. Denn dies überstiege die Kapazitäten bei der Marine, beim BAAINBw und auch bei der Industrie. Für die entschiedenen Beschaffungen des 2. Loses K 130 zum Ende dieser, bzw. Anfang der nächsten Dekade und dem Zulauf der sechs MKS 180 in der Mitte der kommenden Dekade stellen wir daher bereits jetzt die notwendigen Weichen. Neben diesem geplanten Aufwuchs an Plattformen werden weitere Einheiten hinzukommen und in erheblichem Umfang schwimmende und fliegende Plattformen ersetzt werden müssen. Dies wird eine Vielzahl von Anpassungen in allen Bereichen erfordern, beim Personal, in der Art und Weise die Plattformen zu betreiben, wie und wo wir ausbilden und hinsichtlich der benötigten Infrastruktur. Alle diese Veränderungen gilt es jetzt zu planen und anzustoßen. Dabei werden wir wohlmöglich erkennen, dass unsere bisherige Personalausstattung nicht in allen Bereichen ausreicht. Hier werden wir lernen müssen, das entsprechend notwendige Wachstum zu gestalten. HHK: Kann das erforderliche Personal für eine wachsende Marine in der erwünschten Qualifikation zeitgerecht an- geworben/gebunden werden und sind dazu weitere Maßnahmen erforderlich? Krause: Natürlich stellt uns der personelle Aufwuchs kurz- und mittelfristig vor große Herausforderungen. Langfristig werden wir aber unser Ziel erreichen, in ausreichender Anzahl leistungsfähige und qualifizierte Frauen und Männern für die Marine zu gewinnen und auch langfristig zu binden. Dies wird zur Demografiefestigkeit der Marine beitragen. Nach Jahrzehnten des Personalabbaus hatte sich natürlich in allen Köpfen der Ab- bau von Personal eingestellt, die Zeichen standen jahrelang auf Verkleinerung. Der durch die „Trendwende Personal“ eingeleitete Prozess muss nun erstmal Fahrt aufnehmen, wobei erste Erfolge schon zu verzeichnen sind. So haben wir die finanziellen Anreizsysteme für HHK 3/2017 Vizeadmiral Andreas Krause


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