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Hardthöhenkurier 3/2017 Leseprobe

Gasteditorial 7 Gastbeitrag Nation zu Nation unterschiedlicher – militärischer Fähigkeitsanforderungen vereinbart wird. Ein harmonisierter mili- tärischer Bedarf, dem dann auch eine sinnvolle, industrielle Verteilung von Verantwortungen in einem internatio- nalen Programm folgt, ist die grund- legende Voraussetzung für europäische oder transatlantische Kooperationen. Für die Industriekooperation ist wichtig, dass sich die Arbeitsteilung an den jeweiligen technologischen Fähigkeiten orientiert und nicht daran, welche Partnernation in bestimmten Technologiebereichen noch Nachholbedarf sieht. Klar definierte Programm- und Mana- gementstrukturen sind insbesondere im Rahmen internationaler Programme notwendig, um Zeitverlust durch langwierige Abstimmungsprozesse zu vermeiden und schnelle Entscheidungen zu ermöglichen. Internationale Rüstungsprojekte können und sollten über „lead nations“ und „lead companies“ abgewickelt werden. Der europäische Luft- Luft-Lenkflugkörper METEOR oder das transatlantische Entwicklungsvorhaben MEADS, das nun Ausgangspunkt für das zukünftige taktische Luftverteidigungssystem TLVS der Bundeswehr ist, zeigen, dass Kooperationsprogramme durchaus erfolgreich sein können. Erfolgreiche europäische Rüstungskoope- rationen setzt aber auch ein abgestimmtes Verständnis für den Rüstungsexport voraus. Innerhalb Europas werden derzeit unterschiedliche Ansätze in der Exportpolitik verfolgt. Diese Unterschiede behindern oder verhindern gemein- same Vorhaben, da nicht gewährleistet werden kann, dass ein gemeinsam entwickeltes System auch in Partnerländer exportierbar ist. Es entsteht die Gefahr, dass einzelne Mitgliedstaaten sich im Rahmen europäischer Rüstungskooperationen isolieren. Schaffen wir es nicht, in Europa Exportrichtlinien zu definieren, die Rüstungskooperationen unterstützen (Schmidt-Debré-Abkommen 2.0), führt das zu einem erheblichen Wettbewerbs- und Marktnachteil gegenüber internationalen Wettbewerben und schwächt die Autonomie Europas. Mein Plädoyer für Rüstungskooperation schließt unsere Partner jenseits des Atlantiks ein. Selbst wenn wir europäische Kräfte zukünftig wesentlich besser bündeln und Anforderungen harmonisieren, wird es immer Technologiebereiche geben, in denen wir als Europäer mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten sollten. Dazu könnten gemeinsame Ansätze in der Luftverteidigung gehören. MEADS/TLVS ist ein Beispiel, dass aus einer transatlantischen Kooperation auf Augenhöhe zwischen den USA, Italien und Deutschland moderne Systemtechnologie hervorgegangen ist, die keiner der Kooperationspartner alleine bewältigt und entwickelt hätte. Dieses System ist nun Abholpunkt für die Modernisierung der Luftverteidigungsarchitektur in Europa. Deutschland geht hier mit TLVS den ersten Schritt und wir sind überzeugt, dass weitere europäische Nationen folgen werden. Fazit: Keine europäische Regierung kann heute ein größeres Rüstungs- vorhaben im Alleingang bewältigen. Einerseits sind die Entwicklungs- und Beschaffungskosten zu hoch und andererseits ist der jeweilige nationale Bedarf zu klein, um wirtschaftlich sinn- voll zu operieren. Nationale Insellösungen sind vor dem Hintergrund der notwendigen militärischen Interoperabilität nicht zeitgemäß. Denn im Einsatz operieren unsere Streitkräfte, egal ob in regionalen Konflikten oder im Fall der Landes- und Bündnisverteidigung, in der Regel im Rahmen der NATO und EU gemeinsam. Deshalb brauchen wir eine Stärkung von Kooperationsprogrammen in Europa. Thomas Gottschild, Geschäftsführer der MBDA Deutschland HHK 3/2017 Europäischer Luft-Luft-Lenkflugkörper METEOR am EUROFIGHTER. Unter deutscher Führung beteiligen sich Frankreich, Großbritannien und Italien an der Entwicklung des Kleinflugkörpers ENFORCER.


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