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Hardthöhenkurier 3/2017 Leseprobe

NATO-EU-VN Vogelschlagrisikovorhersage für fliegendes Personal Dichter Verkehr im Luftraum über dem Baltikum Der Geoinformationsdienst der Bundeswehr ist für die Luftraumüberwachung zur Vermeidung von Vogelschlag zuständig Dr. Nadine Klauke, Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr Vermutlich jeder erinnert sich an die Szenen am 15. Januar 2009, als ein Airbus A320 mit mehr als 150 Menschen an Bord in New York (USA) in den Hudson River stürzte. Kanadagänse, die zu Hunderten nahe des Flughafens LaGuardia gerastet hatten, waren kurz nach dem Start des Airbus in 1.000 Metern Höhe in beide Triebwerke gelangt und hatten den Piloten zur Notlandung gezwungen. Was also tun, um solche Unfälle zu vermeiden? In der Bundeswehr ist der Geoinforma- tionsdienst mit dem Zentrum für Geoinformationswesen (ZGeoBw) dafür zuständig, die Luftraumüberwachung zur Vermeidung von Kollisionen zwischen Vögeln und Luftfahrzeugen (Vogelschlag) sicherzustellen. Vor allem während der Vogelzugzeiten im Frühjahr und Herbst kann es zu enormen Vogelansammlungen im Luftraum kommen. Zu dieser Zeit befinden sich mehrere Millionen Vögel in Schwärmen von teilweise Hunderten von Individuen auf ihrer Reise zwischen Europa und Afrika. Radardaten aus dem militärischen Radardatennetz helfen den Biologen im ZGeoBw, diese großen Vogelansammlungen im deutschen Luftraum zu erkennen und die Piloten zu warnen. Aber auch bei Auslandseinsätzen, bei denen kein Radardatennetz zur Ver- fügung steht, besteht die Gefahr, einen Vogelschlag zu erleiden und dadurch Mensch und Maschine zu gefährden. So verläuft durch das Baltikum und entlang der Ostseeküste eine der bedeutendsten Vogelzugrouten Europas – ein Gebiet, in dem die Luftwaffe derzeit im Kraniche während des Herbstzuges. Über dem Baltikum ziehen viele vogelschlagrelevante Vogelarten, darunter Kraniche, Greifvögel und verschiedene Wasservogelarten in ihre Brut- und Überwinterungsgebiete. © J. Fricke Rahmen der NATO Mission VAPB – Verstärktes Air Policing Baltikum – im Ein- satz ist. Das Baltikum umfasst die Staaten Estland, Lettland und Litauen. Mehrere Millionen Vögel, darunter viele große Arten von Greif- und Wasservögeln, kreuzen den baltischen Raum auf dem Weg in ihre Brut- und Überwinterungsgebiete. Um das Risiko eines Vogelschlags zu verringern und den Piloten eine Einschätzung der aktuellen Lage zu ermöglichen, haben die Experten des ZGeoBw ein GeoInfo-Beratungsverfahren, die sogenannte Vogelschlagrisikovorhersage, für das Baltikum entwickelt. Ein für das deutsche Hoheitsgebiet im operationellen Betrieb befindliches Verfahren wurde für den Einsatz im Baltikum angepasst und erweitert. Grundlage des Modells sind Wettervorhersagedaten des Geoinformationsdienstes der Bundeswehr (GeoInfoDBw). Die aktuelle Wetterlage beeinflusst näm- lich das Verhalten von Vögeln, besonders während der Zugzeiten. So wirken sich die vorherrschende Windrichtung und Windgeschwindigkeit direkt auf die Energiereserven der Vögel aus und bilden daher einen entscheidenden Faktor für die Risikovorhersage während der Zugperioden. Ähnlich verhält es sich mit Wetterparametern wie Temperatur und Niederschlag, welche sich, ähnlich wie in der Luftfahrt, auf die Flugbedingungen auswirken und somit entscheidend dazu beitragen, ob sich die Vögel auf die lange Reise begeben. Die Kenntnisse über den Zusammenhang zwischen der Wetterlage und dem Verhalten der Vögel dienen dem Modell also als Berechnungsgrundlage für das zu er- wartende Vogelaufkommen und münden in eine sechsstufige Vogelschlagrisikoeinschätzung. In vier naturgeographischen Vorhersageräumen entlang der Küste und im Inland wird das gesamte Gebiet der baltischen Staaten abgedeckt. Auch in Ge- bieten mit hoher Vogelschlaggefahr und ohne die Möglichkeit einer aktuellen Vogelzugbeobachtung bietet das ZGeo- Bw mit der Vogelschlagrisikovorhersage dem fliegenden Personal so eine Möglichkeit, die aktuelle Lage einzuschätzen und somit auf die möglichen Gefahren vorbereitet zu sein. Die Berechnung des Vogelschlagrisikos erfolgt täglich und wird in einer sechsstufigen Skala für vier naturgeographische Vorhersageräume dargestellt und im GeoInfo-Portal für die Flugwetterberatung in der Bundeswehr bereitgestellt. © ZGeoBw 38 HHK 3/2017


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