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Hardthöhenkurier 3/2017 Leseprobe

Streitkräfte im NATO-Bündnis NATO-EU-VN Sicherheitspolitik und Streitkräfte Litauens Ein bedeutender deutscher Partner im Baltikum Friedrich K. Jeschonnek Zu den Verbündeten Deutschlands gehören seit den 1990er Jahren die Baltischen Staaten. Nachdem der HHK bereits in früheren Ausgaben über Sicherheitspolitik und Streitkräfte Estlands und Lettlands berichtet hatte, wird in dieser Ausgabe über Litauen informiert. Da die Bundeswehr im Rahmen der Bündnisverteidigung im Rotationsverfahren Kräfte in Litauen stationiert (siehe gesonderten Bericht im HHK 2/2017, S.20), gewinnt das Land für die Bundeswehr zunehmend an Interesse. Litauen ist der südlichste baltische Staat. Er ist mit 65.000 km² etwas kleiner als das Bundesland Bayern. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 280km, die West-Ost Erstreckung 370km. Im Norden grenzt er an Lettland mit einer Grenze von 544km, im Osten und Südosten an Weißrussland mit 640km, im Süden an Polen mit 104km bzw. an den russischen Oblast Kaliningrad mit 261km. 99km Ostseeküste mit Teilen des Kurischen Haffs grenzen das Land im Westen ab. Damit grenzt das Land im Osten, Südosten und Süden teils an Weißrussland und die Russische Föderation. Nur ein schmaler Korridor verbindet Litauen mit dem NATO -Partner Polen. Das Land ist im Westen flach bis leicht wellig mit Erhebungen von bis zu 50m über dem Meeresspiegel. Das Zentrum des Landes wird durch die leicht wellige mittellitauische Niederung mit Höhen bis zu 80m bestimmt. Im Osten erstreckt sich bis zur Grenze der Baltische Landrücken durchzogen von den Flüssen Memel und Neris, mit Höhen bis zu 200m, zahlreichen langgesteckten Seen und Mooren. Das Land ist mit 44 Menschen pro Quadratkilometer im Vergleich zur Bundesrepu- blik (226 E/km2) dünn besiedelt. In den zehn Provinzen des Landes leben rund drei Millionen Menschen, weitere rund eine Million Menschen sind im Ausland. Das Bevölkerungswachstum liegt nach aktuellen Schätzungen um 1%. Landes- sprache ist Litauisch. Im Lande leben neben 85% Litauern rund 6% Bürger polnischer Abstammung, 6,5% Russen bzw. Weißrussen. 80% der Bevölkerung sind katholischen Glaubens. Hauptstadt ist Vilnus. Weitere größere Städte sind Kaunas, Kleipedia und Siauliei. Zwei Drittel der Bevölkerung wohnen in Städten. Das bedeutet, dass das personelle Potential für Streitkräfte bei einer neunmonatigen Wehrpflicht und für Mobilmachungsstrukturen sehr begrenzt ist. Wappen des Verteidigungsministeriums von Litauen. Historische Grundlagen Auf dem Gebiet des heutigen Litauens bestimmten Einflüsse des Deutschen Ritterordens, der Hanse, Schwedens, Dänemarks, Polens und Russlands die staatliche, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Landes. Im südlichen Baltikum und Teilen des heutigen Polen entstand im 13. und 14. Jahrhundert ein zunächst litauisches Großherzogtum, das sich sowohl von der Mongolen - Herrschaft als auch von der des Kiewer Fürstentums für mehrere Jahrzehnte Selbständigkeit erkämpfen konnte. Ab Mitte des 14. Jahr- hunderts ging das litauische Großfürsten- tum durch Einheirat litauischer Fürsten ins polnische Königshaus in eine gesamtstaatliche Kooperation ein, die bis zum Ende des polnischen Königreiches Ende als Königreich Polen-Litauen Bestand hatte. Nach Ende des sog. Nordischen Kriegs (1718) wurde Litauen für zwei Jahrhunderte zur Provinz Russlands. 1917/1918 wollte das Deutsche Reich nach Erorberung großer Teile des Baltikums mit Litauen in eine politische Kooperation mit einer gewissen Autonomiezusage treten. Diese wurde nicht realisiert. Stattdessen erklärte sich Litauen u.a. auf der Basis der „Wilson Doktrin“ für unabhängig und blieb dieses trotz Krieg mit Polen. Einige Gebietsteile litauischen Gebietes gingen im polnischen – litauischen Krieg 1918-1920 an Polen verloren. Mit der russischen Besetzung 1940-41 entstand zunächst kurzzeitig eine kommu- nistische litauische SSR. 1941 kam Litauen unter deutsche Besetzung als Teil des Generalbezirks Litauen. Mit Einmarsch der Roten Armee 1944/45 wurde die litauische SSR in den ursprünglichen Grenzen Litauens von 1918 etabliert. Mit dem Niedergang der Sowjetunion wurde Litauen aufgrund freier Wahlen am 11. März 1990 unabhängig. Die wechselvolle Geschichte Litauens ist tief im historischen Verständnis der Gesellschaft verankert. Sie spiegelt sich in der Sicherheitspolitik sowie Tradi- tionsbildung der heutigen Streitkräfte wider. Hierzu gehört die Vergabe von Ehrennamen litauischer Fürsten/innen an Infanterieverbände der Landstreit- Litauen und seine Nachbarländer. kräfte. Unvergessen sind Deportationen, HHK 3/2017 33


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