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Hardthöhenkurier 3/2017 Leseprobe

Ein Statusbericht zur deutschen Schiffbauindustrie Marine 111 auch mit regenerativ erzeugtem grünem Erdgas betrieben werden können. Das Erdgas kann dabei auf Schiffen sowohl als komprimiertes Erdgas (CNG) oder auch als verflüssigtes Erdgas (LNG) gespeichert werden. Diese Antriebe haben eine hervorragende Umweltbilanz und werden den Seeverkehr umweltfreund- licher machen und nachhaltig Emissionen senken. Im Vergleich zum Dieselmotor stößt der reine Gasmotor bis zu elf Prozent weniger Treibhausgase aus, 90% weniger Stickstoffoxide, so gut wie keine Partikel und keine Schwefeloxide. Unsere Gasantriebe sind schon jetzt eine greifbare Option. Ende des Jahres werden die ersten Vorserienmotoren bei Damen Shipyards in einem Schlepper für die Rederei Svitzer installiert. Ab 2018 liefern wir die ersten zertifizierten Serien-Gasmotoren für die kommerzielle Schifffahrt aus. Die niederländische Reederei Doeksen wird unsere Gas- motoren für den Fährverkehr in der Nord- see im Naturschutzgebiet Wattenmeer einsetzen. Auch auf dem Bodensee, dem größten Trinkwasserspeicher in Europa, wird ab 2019 eine neue Fähre in Betrieb gehen, die komplett mit flüssigem Erdgas angetrieben wird. Wir freuen uns sehr darüber, dass man unsere Antriebssysteme für den Schiffsverkehr in sensiblen Ökosystemen ausgesucht hat. Es zeigt uns, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben. Ein weiterer Fokus unseres Green- und High-Tech-Programms liegt auf der Digitalisierung. MTU/HHK: Welche Chancen und Heraus- forderungen sehen Sie für Ihr Unter- nehmen in der Digitalisierung, Herr Schell? Schell: Wir investieren derzeit gezielt in die Entwicklung digitaler Technologien, zum Beispiel Cloud-Lösungen und kundenorientierte digitale Anwendungen wie Service-Apps. Mit Hilfe der Digitali- sierung unserer Antriebssysteme wollen wir die Wartungskosten und den Rohstoff- verbrauch unserer Motoren so gering wie möglich halten und unseren Kunden Der neue MTU Gasmotor 16V 4000 für die kommerzielle Schifffahrt. dabei die gewohnt verlässliche Qualität bieten. Das gelingt uns, indem unsere Motoren denken lernen und selbst er- kennen, wann sie ein Ersatzteil brauchen oder ein Service notwendig ist. Sie optimieren zudem ihren Kraftstoffverbrauch automatisch und können auch dadurch die Betriebskosten signifikant senken. Große Herausforderungen der Digitalisierung sehe ich in den Themen: Datensicherheit und Datenschutz, Vernetzung der Daten, Setzen von Standards, rechtliche Rahmenbedingungen und Klärung der Eigentumsrechte an den verwen- deten Daten. MTU/HHK: Wie geht es weiter in Sachen Green- und High-Tech, gibt es eine Roadmap? Dr. Chatterjee: Aus den einzelnen Techno- logien stellen wir ein optimales System zusammen, das deutlich weniger Schadstoffe emittiert und eine verbesserte CO2-Bilanz hat als konventionelle Antriebe mit Verbrennungsmotoren. In der ersten Phase wird der Ver- brennungsmotor mit Abgasnachbehandlung kombiniert. Gas kommt als weiterer Kraftstoff hinzu. In einer zweiten Phase kommen weitere Komponenten, wie zum Beispiel Elektro- motoren aus unseren E-Drive-Lösungen, dazu. Durch vernetzte und intelligente Produkte werden die Wartungsprozesse optimiert und die Materialeffizienz gesteigert. In einer dritten Phase wird durch die Verwendung von nachhaltig erzeugten Kraftstoffen eine deutliche Verringerung von Emissionen und Treibstoffeinsatz erreicht. © Rolls-Royce Power Systems HHK 3/2017


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