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Hardthöhenkurier 3/2017 Leseprobe

Ein Statusbericht zur deutschen Schiffbauindustrie Marine 107 der kommenden Dekade erfolgen, eine Verschränkung der amphibischen Fähigkeiten mit der Niederländischen Marine wird bereits in der Praxis umgesetzt und gemeinsam konzeptionell weiter ausgestaltet, um auch in diesem Bereich zum Ende des oben angeführten Betrachtungszeitraum eine Fähigkeitserweiterung mit einem starken Partner durchführen zu können. Der Erhalt und die Erweiterung der Befähigung zur maritimen Luftverteidigung und der U-Bootbekämpfung ist planerisch ebenfalls gemeinsame Zielvorstellung und eine Auswahlentscheidung bereits gefallen. Eine adäquate logistische Unterstützung der Flotte durch Unter- stützungseinheiten aber auch periphere Fähigkeiten wie Schleppleistungen, Ausbildungsboote oder Hilfsschiffe sind in der Bearbeitung. Bei der Umsetzung in ein Schiffbauvorhaben ist die Deutsche Marine von Anfang an beteiligt. Durch eine Initiative im IP erfolgt in der Regel der Aufschlag, danach erfolgt ihre Mitarbeit in den Integrierten Projektteams. Dadurch kann sie als zukünftiger Betreiber Einfluss nehmen und gestalten. Rahmenbedingung ist dabei das Ziel der multinationalen Kooperation und der streitkräftegemeinsamen Operationsführung, wie sie zum Beispiel bei F125 durch eine Anbindung an Führungs- systeme der Landstreitkräfte umgesetzt wird. Seestreitkräfte operieren multinational, die sich daraus ergebende Notwendigkeit zur Interoperabilität wird idealerweise in allen Prozessschritten berücksichtigt. Wesentliche Impulse dieser Interoperabilität ergeben sich aus multinationalen Kooperationen wie dem Maritime Theatre Missile Defence Forum. In diesem Forum, das 1999 von Deutschland, den Niederlanden und den USA gegründet wurde und in dem mittlerweile 11 Nationen vertreten sind, die über eine Befähigung zur maritimen Luftverteidigung einschließlich der Abwehr ballistischer Flugkörper verfügen, wird technische, prozedurale und einsatzbezogene Grundlagenarbeit durchgeführt, um Seestreitkräfte der teil- nehmenden Nationen auf die aktuellen und die zukünftigen Herausforderungen vorzubereiten. Deutschland hat im Mai 2017 turnusgemäß die Führung des Forums für ein Jahr übernommen und ein starkes Team des Marinekommandos, des BAAINBw und der Luftwaffe führt die Gesamtarbeiten in Arbeitsgruppen für Architekturen, Schnittstellen, Doktrinen sowie Tests und Experimenten einschließlich deren Analyse durch. Nunmehr ist es wichtig, dass die Arbeitsergebnisse in allen Nationen in verbindliche Vorgaben für die Marinerüstung umgesetzt werden. Sie bieten die Gelegenheit, auf multinationaler Ebene die Interoperabilität zukünftiger Kriegsschiffe deutlich zu erhöhen. Die derzeit im Maritime Theatre Missile Defence Forum (MTMD-F) unter starkem deutschen Gestaltungseinfluss ent- stehende „Framework Architecture 2030+“ könnte die Blaupause für eine solche multinationale Flotte mit „Inter- operability-by-Design“ darstellen. Durch multinationale Kooperationen können Synergieeffekte bei der Beschaffung und Bewirtschaftung der Waffensysteme und bei der Ausbildung des Personals generiert werden. Gleichzeitig bietet sich hier die Gelegenheit, durch Standardschnittstellen einerseits größere Flexibilität bei der Auswahl von Subsystemen zu erreichen und andererseits Obsoleszenz- beseitigungen deutlich weniger risikobehaftet durchführen zu können. Bei der zukünftigen Befähigung zur Seeminenabwehr wird es darauf ankommen, im multinationalen Rahmen ein abgestimmtes „MCM Toolkit“ mit kohärenten Fähigkeiten und baugleichen Systemen aufzustellen, das sich im Einsatz ergänzt. Gleiche Plattformen sind dafür keine zwingende Voraussetzung, sofern Systeme, Datenverbünde, Ausbildung und Einsatzgrundsätze und -verfahren aufeinander abgestimmt werden. Die Seeminenabwehr eignet sich besonders für Kooperation mit regionalen Partnern. Um eine verbesserte Betreibbarkeit (Ver- einheitlichung der Ausbildung, dadurch Verringerung des Ausbildungsaufwandes für Bediener und Instandsetzer, Reduzierung der Zahl verschiedener logistischer Ketten etc.) und höhere und planbare Verfügbarkeit der Systeme über die gesamte Lebensdauer zu erreichen, wird durch die Marine eine Verringerung der an Bord befindlichen unterschiedlichen Systeme angestrebt. Diese kontinuierliche Verringerung der derzeit hohen Diversität von Systemen und Anlagen durch eine kontinuierliche standardisierte Marinerüstung (Linie statt Klasse) ist erklärtes Ziel der Marine – ein Einstieg über MKS180 erscheint möglich. Einsatzwirksamkeit, Verfügbarkeit und Betreibbarkeit sind deshalb die drei Forderungen der Marine an die Umsetzung von Schiffbauvorhaben. Sie lassen sich durch multinationale Zusammenarbeit zum Beispiel bei der frühzeitigen Umsetzung und eindeutigen Vorgabe von Standards, Synergien in der Ausbildung oder gemeinsamen Materialerhalt noch wirksamer erreichen als national. Dazu ist es erforderlich, diese Koopera- tionspotentiale frühzeitig zu erschließen und rechtzeitig verbindlich mit Partnern zu vereinbaren. Die deutsch-norwegische U-Bootkooperation ist dafür durchaus beispielgebend. Aus Sicht der Marine kann es sich auszahlen, wenn früh- zeitige rüstungspolitische Festlegungen erfolgen, so dass die Marinen flankierend eine synergetische Zusammenarbeit vereinbaren können. Dabei unterstützen geografische Nähe, ähnliche, aber auch komplementäre Fähigkeiten und harmonisierte Beschaffungszeiträume. Die multinationale Ausrichtung der Bundeswehr unterstützt Kooperationen. Es wird darauf ankommen, dass sie konsequent in der Umsetzung von Vor- haben zum Tragen kommen, inklusive der anspruchsvollen Vergabeprozesse. Der maritimen Schiffbauindustrie und den Zulieferern sind bereits in einem frühen Stadium die Trends aufzuzeigen, so dass sie in Bezug auf Interopera- bilität, Einsatzwirksamkeit und Betreibbarkeit bereits frühzeitig die Bedarfe der Marine unterstützen können. Grafiken © MTG Marinetechnik, Verwendungsrechte beim öffentlichen Auftraggeber Designoption für den ausgewählten LV1. HHK 3/2017


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