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Hardthöhenkurier 3/2017 Leseprobe

Marine Ein Statusbericht zur deutschen Schiffbauindustrie Ihre Produkte eigene Tochtergesellschaften, 104 Joint-Ventures oder Lizenznehmer in Fernost aufgebaut. Damit fällt es schwer, den deutschen Wertschöpfungsanteil eines Produkts zu definieren und die Anzahl oder den Wert des Exports deutscher Produkte der maritimen Zulieferindustrie zu erfassen. Ähnliches gilt auch für die Bestimmung der Beschäftigten im maritimen Zuliefersektor, für die es nur einen geschätzten Wert von rund 200.000 gibt. Konnten die deutschen Zulieferer die letzten Jahre der Krise durch bestehende Auftragspolster noch relativ gut abfedern, gibt es nun Anzeichen, dass die Schiffbaukrise auch bei Ihnen angekommen ist, denn hier sind oftmals große Stückzahlen im globalen Neubaubereich notwendig, um volle Aus- lastung zu gewährleisten. Die Strategien, die die Zulieferer verfolgen um die Krise abzuwettern, reichen von einer stärkeren Fokussierung auf den heimischen europäischen Markt der Yachten, Kreuzfahrt- und Marineschiffe über eine Verstärkung von Service-, Umbau- oder Nachrüstungsaktivitäten bis zu Maß- nahmen, sich durch Diversifizierung neue Märkte zu erschließen. Die deutschen Werften haben sich vom Bau von Standardschiffstypen abgewandt und konzentrieren sich bereits seit geraumer Zeit auf hochtechnologische Passagierschiffe, Fähren, Yachten und andere Spezialschiffe. Deutsche Schiffbauunternehmen sind führend in der Entwicklung innovativer grüner Technologien und bieten fortschrittliche Lösungskonzepte für Pro- jekte mit höchsten Qualitätsansprüchen. Zu den Auftragseingängen in 2016 zählen Kreuzfahrtschiffe und Mega- yachten sowie Fähren und Ro-Ro-Schiffe. Weiterhin wurden Arbeits- und Behörden sowie Forschungsschiffe in Auftrag gegeben. Die Bestellungen kamen in 2016 überwiegend von ausländischen Kunden. Neben Schiffen umfasst der Auftragsbestand deutscher Werften weiterhin auch Offshore-Plattformen. Dieses Geschäft erwies sich aber in der Vergangenheit unter anderem aufgrund der Finanzierungsrahmenbedingungen oder unklarer Vorschriftenlage als schwierig und führte oft zu ent- täuschenden Geschäftsergebnissen. Deut- sche Werften bewegen sich daher sehr zurückhaltend im ohnehin schwachen Offshore-Wind-Markt. Während der globale Volumenschiffbau tief in der Krise steckt und die großen Schiffbaunationen unter der geringen Nachfrage leiden, konnten deutsche Schiffbauunternehmen mit ihrer Spezialisierung auf anspruchsvolle Nischenmärkte in 2016 einen weiter gestiegenen Auftragseingang in 2016 verzeichnen und einen Weltmarktanteil von knapp 18% bezüglich der Auftragswerte erzielen. Ende 2016 konnte mit knapp 18,5 Mrd. € in den deutschen Auftragsbüchern das bisherige Allzeithoch beim Auftragsvolumen verzeichnet werden. Mit einem insgesamt deutlich geschrumpften Weltmarkt wächst jedoch auch der Wettbewerb, auch aufgrund wieder steigender staatlicher Markteingriffe vorrangig in Asien, gerade in diesen Nischen. Trotz weltweit schwacher Auftragslage entwickelt die deutsche Schiffbauindustrie ihre Expertise durch großes Engagement in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Innovation ständig weiter. Die Unternehmen sind damit in der Lage die von anspruchsvollen Kunden geforderten, maßgeschneiderten Lösungen für die jeweiligen Einsatzzwecke zu entwickeln. Entsprechende Neubauten, Nachrüstungen oder Umbauten mit innovativen Lösungen sorgen so für Effizienz, Sicherheit und Umweltverträglichkeit der Schifffahrt. Dennoch steht die gesamte deutsche industrielle Wertschöpfungskette durch den weltweit aufgrund von Überkapazitäten geringen Bedarf an neuen Schiffen, die geringen Impulse aus dem Welthandel sowie unfaire Wettbewerbsbedingun- gen für deutsche Unternehmen in vielen Exportmärkten unter erheb- lichem Dauerdruck. Hauptgeschäftsstelle des VSM e.V. im Slomanhaus, Hamburg. Abbildungen © VSM HHK 3/2017 Abbildung 2: Produktsegmente im deutschen Seeschiffbau*.


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