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Hardthöhenkurier 3/2017 Leseprobe

Ein Statusbericht zur deutschen Schiffbauindustrie Marine Die Maritime Industrie Deutschlands Wir können Schiffbau – nationale Kompetenz der Werftindustrie RA Christian A. Schilling, LL.M., Geschäftsführer, Verband für Schiffbau und Meerestechnik e.V. Wie wichtig eine gut funktionierende Wertschöpfungskette für erfolgreiche Schiffbauprojekte ist, wird am deutlichsten sichtbar in den Königsdisziplinen des Schiffbaus, dem Bau von Kreuzfahrt- oder auch anspruchsvollsten Marineschiffen. Durch die Komplexität dieser schwimmenden Städte auf kleinstem Raum ist die Klärung der Schnittstellen zwischen den beteiligten Parteien besonders wichtig. Und beteiligte Parteien gibt es viele, denn der Anteil der Lieferungen oder Leistungen Dritter beträgt zum Beispiel bei einem Spezialschiff wie einem Kreuzfahrer bis zu 80%, während er bei einem einfachen Frachtschiff nur bis zu rund 30% betragen kann. Damit ist sorgfältige Planung von Anfang an besonders wichtig und jede durch Kundenwunsch, Vorschriften oder technische Erkenntnisse bedingte Änderung zieht sich wie eine Kettenreaktion durch das halbe Schiff. Um dies, unter Einhaltung des Zeit- und Kostenrahmens, zu meistern, müssen die beteiligten Akteure wie Werft, Zulieferer, Designfirma und Klassifikation mit Sachverstand und Systematik eng zusammenarbeiten. Ausländische Investoren haben erkannt, dass der Standort Deutschland mit seiner lückenlosen Wertschöpfungskette, den vorhandenen Infrastrukturen und dem Knowhow beste Voraussetzungen für langfristiges Engagement und künftige Entwicklung bietet. Die deutsche maritime, größtenteils mittelständisch geprägte, Wertschöpfungskette verfügt über ein einzigartiges Angebot von über 2.800 Unternehmen, von denen manche ausschließlich maritim ausgerichtet sind. Manche sind sogar nur auf bestimmte Schiffstypen wie Yachten und Kreuzfahrtschiffe spezialisiert. Andere wiederum nutzen ihre technische Kompetenz aus ebenso anspruchsvollen Branchen wie dem Bergbau, der Windenergieindustrie, der Energiewirtschaft, der Umwelttechnik oder dem Öl- und Gasgeschäft und haben ihre Produkte auf die besonderen Bedingungen auf See oder für die Offshore-Ölindustrie angepasst. Mit Ausnahme der Schiffe für deutsche Behörden und die Deutsche Marine sowie einzelner Schiffe für deutsche Reeder wird die große Mehrheit der Schiffe auf den deutschen Werften für ausländische Besteller gebaut. Mit einem Exportanteil von durchschnittlich etwa 75% liefern ferner die meisten Zu- lieferer an Werften ins europäische oder fernöstliche Ausland. Der inländische Anteil geht als Zulieferung an Yachten, RA Christian A. Schilling, LL.M. Fähren, Kreuzfahrt- oder Marineschiffe für ausländische Besteller bei deutschen Werften. Im Endeffekt also ebenfalls in den Export. Damit leistet die deutsche maritime Industrie einen großen Beitrag zum Titel Deutschlands als Exportweltmeister. Im vergangenen Jahr verzeichnete das statistische Bundesamt eine über die letzten Jahre ziemlich konstant bleibende Anzahl von etwa 60 Werften mit über 50 Beschäftigten. Diese erwirtschaften mit ihren insgesamt etwa 17.700 Beschäftigten einen Umsatz von über 5,4 Mio. €, davon 67% für den Export. Während für die Werften belastbare Zahlen vorliegen, existiert keine Gesamtstatistik für die Quantifizierung der Wirtschaftsleistung der Zulieferindustrie. Hier spielt zum einen eine Rolle, dass viele Firmen auch in anderen Branchen tätig sind und zum anderen, dass Produktionen immer internationaler werden. Denn die Konsolidierungsprozesse haben sich auch 2016 fortgesetzt und deutschen maritimen Zulieferern neue ausländische Muttergesellschaften oder Tochterunter- nehmen beschert. Auch haben sich, dank des starken Zulieferanteils deutscher Produkte im fernöstlichen Schiff- Abbildung 1: Umsätze deutscher Werften*. baumarkt, viele deutsche Zulieferer für HHK 3/2017 103


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