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Hardthöhenkurier 3/2017 Leseprobe

Marine Multinationaler Beitrag der Marine zur maritimen Sicherheit Marine und ist damit für die Nachwuchsgewinnung 102 der Marine bzw. der Streitkräfte wichtig. Zum anderen ist die Art der Ausbildung, wie wir sie auf der GORCH FOCK durchführen für die persönliche Weiterentwicklung und den Teambuildingprozess ein ganz wesentlicher Ausbildungsabschnitt. Das Erlebnis in der Auseinandersetzung mit den Wetterverhältnissen Wind, Seegang und Temperaturen vermitteln den jungen Kadettinnen und Kadetten den erst- maligen Eindruck, dass man sich mit diesen Elementen arrangieren muss und seine Absichten unter Umständen diesen Bedingungen anpassen muss. Etwas was für künftige Bordverwendungen eine elementare Bedeutung hat, da nicht zu jeder Zeit alles möglich ist. Das gilt für Übungen und Einsätze vom humanitären bis bewaffneten Spektrum. Sie lernen ferner, dass dieses Schiff tatsächlich nur zusammen bewegt werden kann, das alleine an Bord fast nichts funktioniert. Auch das gemeinsame Leben und Zusammensein als Bordgemeinschaft ver- langt Disziplin und Rücksichtnahme eben Kameradschaft. Wir haben eine fast ein- zigartige Chance die Generation von „face book“ zu „face guck“ zu bringen, soll heißen: die Kameradinnen und Kameraden lernen sich in den verschiedensten Situationen von Angesicht zu Angesicht kennen und schätzen und verlassen die virtuelle Welt der sozialen Netzwerke. All dies ist auf unser GORCH FOCK möglich und die Gegebenheiten auf einem fast 60 Jahre alten Schiff geben es eben nicht anders her. Mithin muss jede/jeder verstehen, dass dieses Rahmenbedingungen sind, die eben nicht veränderlich sind und seit der Wiederaufstellung der Bundesmarine Teil der Ausbildung ist und eine verbindende, Generationen übergreifende Gemeinsamkeit der Ausbildung bei der Marine ist. Diese Ausbil- dung wird im Übrigen auch von unseren Kameradinnen und Kameraden von Heer und Luftwaffe geschätzt. HHK: Am letzten Wochenende fand in Hamburg das internationale Treffen der „Chiefs of European Navies“ statt. Können Sie dazu ein erstes Resümee geben? Krause: CHENS 2017 war eine große Strategie und Netzwerkkonferenz unter dem Motto „Professionell, attraktiv, kompetent – Europas Marinen für die Zukunft gestalten“. Es ging mir vor allem darum, dass wir uns dieses Jahr intensiv mit dem wichtigen Thema Personal beschäftigen. Denn nicht nur die Deutsche Marine muss die richtigen Menschen gewinnen, die bei uns Verantwortung übernehmen, es betrifft mehr oder minder alle unsere Partnermarinen in der NATO und in der EU. Wir haben von Experten aus der freien Wirtschaft aufschlussreiche Aspekte über die Entwicklungen auf dem europäischen Arbeitsmarkt gehört, etwa wie Reedereien oder Fluggesellschaften damit umgehen. Daraus konnten wir echtes „food for thought“ mitnehmen – wir stehen als Seestreitkräfte nicht allein vor den besonderen Herausforderungen der Demografie sowie veränderter Gesellschafts- und Lebensmodelle. Auch die Handelsschifffahrt zum Beispiel muss Planungssicherheit für ihre Schiffsbesatzungen gewähren. Das richtige Zusammenspiel von Mensch und Maschine muss neu austariert werden und Automatisierung kann da helfen. Besonders hat mich deshalb gefreut, dass die Deutsche Marine gleich allen europäischen Marinechefs mit der „Nordrhein Westfalen“ eine neue Fregatte der Klasse F125 präsentieren konnte – auch wenn das Schiff noch nicht in Dienst gestellt ist. Wir konnten damit wirklich begreifbar machen, wie wir mit diesem Schiffstyp ganz neue Wege beschreiten: Automatisierung und Intensivnutzung kombiniert mit dem Mehrbesatzungsmodell und der Verlagerung von Ausbildungsabschnitten in Simulatoren an Land ist eine unserer Antworten auf die demografische Entwicklung. So machen wir die Seefahrt mit der Marine planbar und attraktiv auch für die „Generation Z“. Und wir erhöhen die operative Verfügbarkeit dieses Schiffstyps, was nochmal zur Entlastung unserer Männer und Frauen beiträgt. Unsere Partner sind nun gespannt, welche Erfahrungen wir mit diesem Ansatz machen. Ich bin zuversichtlich, dass ich zu CHENS 2018 in Helsinki schon die ersten positiven Eindrücke mitbringen kann. HHK: Herr Admiral, der Hardthöhenkurier bedankt sich für das sehr informative Gespräch. Die SNMCMG 1 und SNMG 1 zusammen während NOCO 2016 in der Mecklenburger Bucht. © HQ MARCOM HHK 3/2017 Absetzen eines von vier Festrumpf-Schnellbooten. © HHK / JRosenthal


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